Das Mutter/Kind Zentrum PRIMA MEDICAL CENTRE in Kumasi/Ghana
Ein Beispiel gelungener Hilfe zur Selbsthilfe

Dr. med. Carsten Hotes, Vorsitzender des Kumasi Hilfsfonds e.V.

Mit dem guten Gefühl, vor mehr als 30 Jahren etwas Sinnvolles begonnen und durchgehalten zu haben, blicken wir heute auf die Arbeit des KHF. 2010 hatten wir den Eindruck, dass wir unsere „Hilfe zur Selbsthilfe“ allmählich einstellen könnten. Nicht mehr gebraucht zu werden ist eigentlich das Beste, was einem Hilfsfonds passieren kann. Die über viele Jahre unterstützte Kindertagesklinik „Prima Medical Centre“ trägt sich seit einigen Jahren wirtschaftlich selbst, Ärzte und Schwestern können aus ihrer Arbeit den Lebensunterhalt bestreiten, Medikamente, Instrumente und sonstiger Bedarf müssen nicht mehr aus Deutschland finanziert werden. Das „PRIMA MEDICAL CENTRE“ ist als eine der besten kinderärztlichen Anlaufstellen in Stadt und Land bekannt.

Aber nun werden wir doch noch gebraucht. Warum?

Der Kumasi-Hilfsfonds von 1983-2014

Nachstehend einige Erläuterungen zur Geschichte des KHF und zu den laufenden Plänen:
Kumasi ist die zweitgrößte Stadt Ghanas in Westafrika.

Kumasi hat zwar ca. 2 Millionen Einwohner, wirkt aber nicht wie ein Ballungszentrum, weil die Stadt aus zahlreichen Dörfern zusammengewachsen ist. Es gibt keine große Industrie, aber viel Kleingewerbe und einen der größten Tagesmärkte ganz Afrikas.

Die Kindertagesklinik liegt mitten im Grünen im Stadtteil Atasomanso, gut erreichbar aus der Stadt und der ländlichen Umgebung. Sie ist nach modernen tropenbaulichen Ideen entworfen von Dr. Antwi Obimpeh aus Ghana, wohnhaft in Hannover, Mitglied im KHF. Er ist Fachmann für Tropenbau und hat in Ghana schon zahlreiche Projekte verwirklicht.

Der KHF besteht seit 1983. Er wurde von Ärzten und Schwestern des neuen Kreiskrankenhauses als gemeinnütziger Verein gegründet. Nachdem bekannt geworden war, unter welch erbärmlichen Umständen unser Mitarbeiter Dr. med. Benjamin Baffoe-Bonnie und seine Familie versuchten, in ihrem krisengeschüttelten Heimatland (Militärdiktatur, Armut, Dürre, Sahelzeit) zu überleben. B.B. war 5 Jahre lang (1974-79) Assistenzarzt an unserer Kinderklinik. Nach Abschluss seiner Weiterbildung zum Facharzt für Kinderheilkunde 1979 war vorgesehen, dass er sich in Wunstorf niederlassen wollte und eine gut eingeführte Praxis für Kinderheilkunde übernehmen sollte. Es gab in der Zeit, wie heute leider auch, nur wenige afrikanische Ärzte in Deutschland, die den Mut fanden, sich und ihren Familien eine unsichere Zukunft im Heimatland zuzumuten. Trotz dieser trüben Aussichten auf ein normales berufliches und privates Leben entschied sich B.B., in sein Heimatland Ghana zurückzukehren. „Meine Leute brauchen mich“. Wie schwer das Einleben für ihn als Kinderarzt und für das Überleben seiner Familie war, erfuhren wir beiläufig aus einem Brief eines Marburger Kinderpsychiaters, der im Rahmen eines Entwicklungshilfeprojektes der Bundesrepublik Ghana bereiste und Dr. B.B in Kumasi kennenlernte.

In nunmehr bald 30 Jahren ist aus der damals eher aus Mitleid begonnenen Starthilfe eine gut funktionierende „Hilfe zur Selbsthilfe“ geworden. Unsere Motivation hatte 2 Aspekte: Wir dürfen unseren Kollegen und seine Familie nicht im Stich lassen war der eine Aspekt. Der 2. erwuchs aus unserer Bewunderung über den besonderen Ansatz B.Bs. in seinem Heimatland als Kinderarzt Fuß zu fassen. Er war bestens geschult, in Deutschland als Kinderarzt zu wirken. Er war in keiner Weise auf kranke Kinder und auf den Umgang mit ihren Müttern in seinem tropischen Heimatland vorbereitet. Er merkte sehr schnell, dass ein Kind mit Malaria oder einem lebensbedrohlichen Eiweißmangel (Kwashiokor) von seiner Mutter eher zum Fetischpriester oder zum traditionellen Pflanzenheiler im Dorf gebracht wird.

Fetischpriester in einer Heilungszeremonie. Mit Schnaps, Bier und langem Tanz hat er sich in Trance gebracht und steht in Verbindung mit den verstorbenen Ahnen als Ratgeber.

Traditioneller Heiler. Er ist einer derjenigen, mit denen B.B. zusammenarbeiten kann. Dieser hatte die Mutter mit dem lebensbedrohlich ausgetrockneten Kind mit Brechdurchfall zu B.B. geschickt. Das Kind erholte sich unter der Infusionstherapie in der Tagesklinik sehr rasch. B.B. schickte es danach zu dem pflanzenkundigen Heiler für die Abschlußbehandlung zurück. Ich lernte ihn mit dem Kind auf dem Schoß kennen und war fasziniert vom Wissen dieses Mannes zu den Heilwirkungen der Pflanzen, Zweigen, Baumrinden etc., die um ihn herumlagen.

Die Praxis dieser traditionellen Medizin ist einer ghanaischen Mutter vertraut. Sie kann erwarten, dass für den Preis von 3 Eiern oder einem ganzen Huhn in einer zauberhaften Zeremonie oder mittels Pflanzenextrakt ihrem Kind eine Hilfe gegeben wird, die sie versteht. Der Gang zum Arzt mit seinen fremden Methoden, Spritzen und Tabletten gegen Geld war vielen Eltern in den Anfangsjahren von Bonnies Tätigkeit fremd. Was sollte er tun? In Ergänzung seines auf Deutschland zugeschnittenen kinderärztlichen Knowhow musste sich B.B. schleunigst Kenntnisse zu den Besonderheiten von Kinderkrankheiten in Ghana unter tropischen Bedingungen aneignen. Ebenso wichtig war, sich mit dem überwiegend magisch geprägten Wissen und vor allem ihrem Nichtwissen der Mütter zu Gesundheit und Krankheit ihrer Kinder vertraut machen. Er musste in Erfahrung bringen, wie die Mütter die Rituale der Fetischpriester verstehen und er bemühte sich erfolgreich um die Zusammenarbeit mit den traditionellen Pflanzenheilern. Ihre Praxis der Naturheilkunde ist nach wie vor unverzichtbar für die Volksgesundheit in Afrika. So lag und liegt unverändert ein Schwerpunkt der kinderärztlichen Arbeit von B.B. und seiner Mitarbeiter in der Unterrichtung der Mütter zur gesunden Entwicklung, richtigen Ernährung und zu Krankheiten ihrer Kinder, aufbauend auf ihrem traditionellen Vorwissen. Ich habe B.B. bei meinen Besuchen auf seinen Fahrten in die umliegenden Dörfer begleitet und bewunderte sein Geschick, wie er in stickigen Räumen voller Mütter und schreiender Kinder agierte. War z.B. ein Kind mit Keuchhusten dabei, unterbrach B.B. seine Untersuchung und hielt allen Müttern einen Vortrag über Keuchhusten. Dabei halfen ihm vor allem die klugen Marktfrauen, das Gelernte im Dorf zu verbreiten. Mit ihrer Hilfe baute er auch ein System von Vorsorgeuntersuchungen nach dt. Muster auf. Durch diesen unermüdlichen Einsatz über viele Jahre hat sich B.B. als praktischer Kinderarzt und darüber hinaus als wissenschaftlich tätiger Kliniker einen exzellenten Ruf in Ghana und den umliegenden Ländern erworben. Bei einem Besuch 1989 wurde die Idee geboren, eine Kindertagesklinik zu bauen, in der beispielhaft die Kombination von Kinderklinik und Mütterschule betrieben werden kann. Sie wurde 1992-95 mit Geldmitteln aus Deutschland gebaut. Die gesamte Inneneinrichtung konnte aus Mitteln der niedersächsischen. Landesregierung bezahlt werden. Nun steht da eine moderne Kindertagesklinik mit dem Namen PRIMA MEDICAL CENTRE im Stadtteil Atasomanso, gut erreichbar für die Stadt- und Landbevölkerung gleichermaßen. Auch als Beispiel für gelungene Architektur in den Tropen ist die Klinik bekannt geworden. Ghanaische Architekten und Architekturstudenten der Kwame-Nkrumah-Universität haben sich das Bauwerk angesehen. Der Architekt der Klinik, Dr. Antwi Obimpeh, stammt aus Ghana und war jahrelang Fachdozent für Tropenbau an der Fachhochschule in Holzminden. Er lebt in Hannover, ist Mitglied im KHF und Ratgeber für viele Fragen. Im Verhältnis zwischen Ghana und Deutschland hat er schon manches Mißverständnis ausräumen können.

Das Gebäude besticht durch tropenbauliche Besonderheiten: Gegen die heiße Sonne und heftige tropische Regengüsse ist es durch einen breiten überdachten Umlauf geschützt. Alle Fenster sind aus Lamellenglas, offene Nischen und Türen sind durch Eisengitter gegen Diebstahl geschützt.

 

Kinder armer Familien werden kostenlos behandelt, die besser gestellten Eltern bezahlen und vor allem die in Kumasi lebenden, meist gut betuchten Ausländer suchen die Klinik gerne auf. So erwirtschaftet die Klinik Einnahmen, aus denen der laufende Betrieb finanziert wird und die Ärzte (Dr. B. B., 2 Assistenten und 5 Kinderkrankenschwestern) ihr Auskommen haben. Die Klinik ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und hat regen Zulauf. Ein großes Problem, die zuverlässige Stromversorgung der Klinik, konnte 2008 mit dem technischen Knowhow einer Kölner Firma und ihrem Subunternehmen in Ghana gelöst werden. Dankenswerterweise hat seinerzeit NRW den Hauptanteil der Kosten übernommen.


Mütter und Kinder warten im schattigen Innenflur/Verandah.


B.B. zeigt einer Mutter, wie sie ihrem Kind mit Brechdurchfall die WHO-Salz/Wasser-lösung löffelweise vorsichtig eingeben kann, um weiteres Erbrechen und den Infusionsstress zu vermeiden.

Ein Umstand ist in all den Jahren bedrückend geblieben. Die nach wie vor hohe Sterblichkeit bei Kindern bis zu 5 Jahren und Müttern. Sie nimmt zwar ein wenig ab, seit Ghana auch die Milleniumsziele der Uno im staatlichen Gesundheitswesen berücksichtigt. Sie liegt aber immer noch ca. 20x höher als bei uns in Deutschland. Dabei spielen neben den bei uns unbekannten schweren tropischen Infektionskrankheiten, einschließlich HIV, vor allem Fehl- und Mangelernährung eine große Rolle. Dr. B.B. und seine Mitarbeiter erleben immer wieder, dass die kleinen Kinder sehr spät und sterbenskrank gebracht werden infolge von Hilflosigkeit und Unwissenheit der Mütter. So wurde die sinnvolle Idee geboren, die Schwangeren in ein Vorsorgeprogramm und zur Entbindung in die Klinik zu „locken“ mit dem Ziel, sie vor der Geburt bereits zu unterrichten und von erfahrenen Hebammen und Kinderschwestern betreuen zu lassen. B.B. berichtete uns davon erstmals 2010, nachdem auch von Müttern selbst immer mal wieder gefragt wurde, ob sie ihre Kinder nicht in der sauberen, schönen Klinik zur Welt bringen könnten. Nach Besprechung mit ghanaerfahrenen Kollegen und Diskussionen auf den Jahresversammlungen hat der KHF 2012 beschlossen, dieses Projekt zu unterstützen. Nach den Plänen von Dr. Obimpeh entsteht seit Januar 2014 der Anbau einer geburtshilflichen Abteilung, der spiegelbildlich zum Bau der Kindertagesklinik angesetzt wurde.



Skizze der Wöchnerinnenstation während der Planungsphase


Kindertagesklinik und Geburtshilfliche Abteilung nebeneinander.

Die Finanzierung (132.000€) wurde wiederum weitgehend von deutscher Seite ermöglicht. In dieser Summe verbergen sich, wie seinerzeit für die Kindertagesklinik viele private Einzelspenden, Spenden von Kindergärten, Schulen und Kirchengemeinden. Eine unerwartet große Zuwendung aus Mitteln der Bingo-Umweltstiftung Niedersachsen erlaubte den frühen Baubeginn Anfang 2014. Weitere Einnahmen kommen aus unserer Öffentlichkeitsarbeit mit Benefizkonzerten, Vorträgen bei Lions und Rotary. Ein gut besuchtes Ghanawochenende mit Konzerten, Trommelworkshops, ghan. Essen, ghan. Kunsthandwerk und eine parallel laufende Ausstellung zu Gebräuchen und Alltagsleben im Lande der Ashanti (mit der Hauptstadt Kumasi) fand 2012 in Wunstorf statt. Partner dieser Veranstaltung war ein Chor junger Erwachsener (Die Elikuren), mit dem 4 große Benefizkonzerte veranstaltet wurden. Mit diesem Chor sind Mitglieder des KHF unter der Leitung von Dr. Hotes 2013 nach Ghana gereist. Neben der Besichtigung der Kindertagesklinik und Bauplanungsgesprächen stand diese Reise ganz im Zeichen eines deutsch/ghanaischem Kulturprogramms mit Musikworkshops und mehreren Konzerten.

Die Elikuren

Das Chor-Ensemble „Elikuren“ hatte es sich bis 2013 zur Aufgabe gemacht mit Benefizkonzerten Geld für den Neubau zu sammeln.
Unter der Leitung von Christiane Kampe, feierte das Ensemble junger Sängerinnen und Sänger aus Wunstorf in den letzten Jahren große Erfolge mit Musicalaufführungen und den jährlichen Weihnachtskonzerten.

Die Elikuren auf Facebook und YouTube.
Der Flyer zur veranstalteten Benefizkonzertreihe.

Begeisterte Musiker beim Konzert in einer großen Kirchengemeinde in Kumasi. Der Alt-Erzbischof von Kumasi war nicht nur vom Zuhören begeistert.

Die midwifery (Geburtshilfe) ist finanziert. Die Möblierung der Räume wird aus ghanaischen Mitteln finanziert. Aber es fehlt an technischem Gerät. So werden derzeit in der Region Hannover Untersuchungsliegen, Medizinschränke, gynäkologisch/geburtshilfliches Instrumentarium etc. eingesammelt. Einiges wird auch dazu gekauft werden müssen. Obenan auf der Wunschliste steht ein neues tropentaugliches Ultraschallgerät für die Geburtshilfe, das in Ghana gewartet und, wenn notwendig, auch repariert werden kann. Das vorhandene 16 Jahre alte Siemens-Gerät funktioniert noch. Es gibt aber keine Ersatzteile und keine gynäkologisch tauglichen Schallköpfe mehr dafür.

Tragende Kraft für die gut funktionierende „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist das gute, über viele Jahre gewachsene Vertrauensverhältnis zwischen dem KHF, und den Ärzten und Schwestern auf ghanaischer Seite, insbesondere die komplikationslose Verständigung zwischen den beiden Hauptverantwortlichen darüber, was sinnvoll ist, was gemeinsam geplant oder auch gelassen werden kann. Die personelle Besetzung der geburtshilflichen Abteilung mit 2 Hebammen, einem Gynäkologen und weiteren pflegerischen Fachkräften ist in Vorbereitung. Es ist zu erwarten, dass in wenigen Jahren aus dem Zusammenwachsen beider Institutionen ein leistungsfähiges Mutter/Kind-Zentrum wird. Dann werden alle medizinischen Projektziele erreicht sein. Wir dürfen davon ausgehen, dass, wie die Kindertagesklinik, auch die Geburtshilfe sich wirtschaftlich selbst tragen wird.

Wir sind froh und dankbar, dass der KHF über mehr als 3 Jahrzehnte ein Entwicklungsprojekt begleiten konnte. Es war in den 80er Jahren als Überlebenshilfe für einen in Deutschland ausgebildeten Kinderarzt und seine Familie begonnen worden. Heute ist es eine gut funktionierende Institution moderner afrikanischer Kinderheilkunde. Und In absehbarer Zeit wird es sich zu einem beispielhaften, eigenständig arbeitenden Mutter/Kind-Zentrum entwickeln, welches keiner Hilfe von außen mehr bedarf.


Das ist das Ziel: Gesunde zufriedene Mütter, gesunde Kinder!!

Stand im November 2015 vor der Eröffnung 2016

Die neue Geburtshilfliche Abteilung im PRIMA MEDICAL CENTRE in Kumasi/Ghana im Novemeber 2015

Im November 2015

Liebe Freunde und Förderer des Kumasi-Hilfsfonds (KHF),

im Frühjahr dieses Jahres haben wir Ihnen eine Broschüre zugesandt mit dem vielversprechenden Titel „Das neue Mutter/Kind-Zentrum PRIMA MEDICAL CENTRE in Kumasi/Ghana – Ein Beispiel gelungener Hilfe zu Selbsthilfe“. Darin war von Erwartungen die Rede, dass das neue Projekt des Anbaues einer geburtshilflichen Abteilung neben der seit Jahren bestehenden Kindertagesklinik zum Erfolg geführt werden kann. Vor wenigen Tagen schrieb nun Prof. Baffoe-Bonnie, dass der Neubau zu 98% fertiggestellt sei. Viele Bilder und Briefe seit Baubeginn im Januar 2013 belegen, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis die midwifery Schwangere aufnehmen kann und die Hebammen mit ihrer Arbeit beginnen können. Einige Monate wird es aber noch dauern, weil, anders als in früheren Jahren, mehrere staatliche und städtische Institutionen gutachterlich Stellung nehmen müssen und die Betriebsberechtigung erteilen. Dazu gehört die Beurteilung des Baues auf seine Betriebssicher-heit durch städtische Ingenieure, der Stromanschluss des Gebäudes, die Ausstattung mit Stromzählern und die Akkreditierung durch die ghanaische Gesellschaft für Medizin und Zahnmedizin und durch die Hebammenvereinigung. Das sind Formalitäten, bei denen keine Probleme zu erwarten sind. Aber ihre Abwicklung nimmt (wie bei dt. Behörden) immer einige Monate in Anspruch. Erfreulich hat sich die Finanzierung des Projektes weitgehend im Rahmen des Kostenvoranschlags von 132.000 € halten lassen. Die rasante Entwertung der ghanaischen Währung in den letzten 2 Jahren mit erheblicher Teuerung für Material und Löhne ließ sich auffangen, durch die schritthaltende Aufwertung des Euro gegenüber dem Cedi. Der Bau ist zu 98% fertig gestellt und bisher sind 130.000€ ausgegeben worden.Wie in Deutschland liegen auch in Ghana die Endabrechnungen immer über dem Kostenvoranschlag. Wir erwarten in der Endabrechnung 2016 aber keine überraschende Ausgabensteigerung, da das Ausgabenkonto in Euro geführt wird. Zur Entlastung des notorisch klammen Geldbeutels auf ghanaischer Seite für die Anschaffung von Betten und medizinischem Gerät konnte der KHF sehr gut beitragen. Aus der Auflösung einer gynäkologischen Praxis in Nienburg und dem reichen Fundus an gut erhaltenen Betten, Nachtschränken, Kreisbetten, Untersuchungsliegen, Op-tischen und medizinischem Gerät aus den gynäkologisch/geburtshilflichen Kliniken der Region Hannover ist der Bedarf für die neue midwifery als Schiffsfracht nach Ghana versandt und inzwischen in Kumasi eingetroffen.

Bei aller Freude darüber, dass die Zielsetzung für die neue geburtshilfliche Abteilung fast erreicht ist, bleiben noch 2 Problembereiche übrig:

Die Stromversorgung in Ghana bricht immer wieder zusammen, weil das alte Elektrizitätswerk am Volta-Stausee in Akosombo durch Altersschwäche und mangelnde Wartung immer wieder ausfällt. Die Kindertagesklinik ist davon wenig betroffen, weil die Photovoltaic-Anlage auf dem Dach für eine ausreichende Stromversorgung sorgt. Sie ist aber beim Einbau vor ca. 8 Jahren so bemessen, dass sie für den Betrieb der Kindertagesklinik ausreichend ist. Sie wird wahrscheinlich für die geburtshilfliche Abteilung nicht ausreichend Strom liefern, um für Unabhängigkeit vom Netzstrom zu sorgen. Über die Notwendigkeit einer Erweiterung der bestehenden Anlage oder den Einbau einer getrennten 2. Anlage ist noch nicht entschieden worden.

Auch über die Anschaffung eines neuen tropentauglichen Ultraschallgeräts für die Geburtshilfe, das in Ghana gewartet und auch repariert werden kann, ist noch nicht entschieden worden. Das alte für die Kindertagesklinik angeschaffte Siemens-Gerät ist jetzt 17 Jahre alt, funktioniert noch (!). Es gibt aber längst keine Schallköpfe für den Einsatz in der Geburtshilfe für dieses Gerät mehr.

Für die Verbesserung der eigenen Stromversorgung und die Anschaffung eines neuen Ultraschallgerätes möchte der KHF finanzielle Unterstützung leisten und nimmt dankbar weiter Spenden dafür entgegen.

Mit Inbetriebnahme der geburtshilflichen Abteilung 2016 wird ein wichtiges Milleniumsziel der UNO zur Senkung der hohen Mutter- und Kindersterblichkeit für Kumasi und seine ländliche Umgebung erreicht: Das PRIMA MEDICAL CENTRE ist schon jetzt eine der besten medizinischen Einrichtungen im Lande für die optimale Versorgung von Müttern und Kindern. Im nächsten Jahr kommt nun die Beratung und Versorgung von werdenden Müttern hinzu. Viele private Spender und Institutionen in Deutschland haben zum Gelingen dieses Projektes beigetragen. Das darf uns alle, die wir daran beteiligt waren und sind mit Freude und Dankbarkeit erfüllen. Es ist zu erwarten, dass die geburtshilfliche Abteilung des PRIMA MEDICAL CENTRE, wie auch die bestehende Kindertagesklinik schon seit längerer Zeit, sich finanziell selber tragen wird.

Dann werden gut ausgebildete Hebammen und ein Gynäkologe in enger Kooperation mit dem bestehenden Team der Kindertagesklinik das PRIMA MEDICAL CENTRE rund um die Uhr für Schwangere, Mütter und Kindergeöffnet halten.

In diesem Sinne grüße ich Sie/Euch alle herzlich zur Weihnachtszeit 2015

 

Nachstehend einige Bilder zur Entwicklung der geburtshilflichen Abteilung:


Herbst 2014: Der Rohbau steht, die Dacheindeckung mit Aluminiumplatten steht bevor.


November 2015: Der Bau ist fertig, an den Außenanlagen wird gearbeitet.


Spätsommer 2015: 17 Betten aus dem Nordstadtkrankenhaus Hannover gehen auf den Transport.


Spätsommer 2015: Kreissbetten u.a. aus dem Fundus des Regionskliinikkums werden abgeholt.


November 2015: Der Op-tisch aus Neustadt steht schon mal im neuen Operationssaal.


Die neuen Matratzen aus Deutschland warten auf ihre Benutzung


Die Neugeborenenintensiveinheit, Kreissbetten warten auf den Fluren.


Große Mehrbettzimmer warten auf die zahlreichen Schwangeren.


Erste Besucher schauen sich um.

Neues aus dem PRIMA MEDICAL CENTRE zu Weihnachten 2016

Es ist vollbracht!
Die geburtshilfliche Abteilung wurde im Beisein des Architekten Dr. Antwi Obimpeh, des Vorsitzenden Dr. Carsten Hotes und weiterer Mitglieder des KHF am 28.10.2016 in einer großen Zeremonie feierlich mit rund 200 Gästen eingeweiht. Der höchste Repräsentant des Ashanti-Volkes Seine königliche Hoheit Otumfo Osei Tutu II kam mit seinem Frau Lady Julia und großem Hofstaat. Er hielt eine wichtige Rede zur Bedeutung des PRIMA MEDICAL CENTRE. Dabei wurde deutlich, wie sehr ihm und seiner Frau die Gesundheit seines Volkes am Herzen liegt. Mit dem Segen des Alterzbischofs von Kumasi, Peter Sarpong nimmt die geburtshilfliche Abteilung ihre Arbeit auf. Sie hält 17 Betten für Schwangere und 3 Kreissbetten für Gebärende vor. Sie ist mit Kardiotokographen für die Schwangerschaftsüberwachung und einem komplett eingerichteten Operationssaal ausgestattet. Die meisten Gerätschaften bis auf die Op-leuchte stammen aus Deutschland. So konnte das erste Kind 10 Tage vor Eröffnung der Abteilung durch Kaiserschnitt geboren werden. Ein Ultraschallgerät zur Schwangerschaftsüberwachung und ein Brutkasten zur Versorgung eines kranken Neugeborenen oder Frühgeborenen sollen im Januar 2017 folgen. Zur eigenen Wasserversorgung mit gutem Grundwasser wurde ein 2. Brunnen auf dem Gelände gebohrt. Die 8 Jahre alte Solaranlage zur eigenen Stromversorgung wurde erweitert. Auch personell ist das PRIMA MEDICAL CENTRE jetzt so ausgerüstet, dass beide Abteilungen, wie geplant, rund um die Uhr arbeiten.
Der KHF, Prof. Baffoe-Bonnie, sein erweitertes Team von Ärzten, Schwestern und Hebammen sind von Herzen dankbar, dass dieses Projekt mit Unterstützung zahlreicher privater Spender, der Bingo-Umweltstiftung Niedersachsen und des Sparkassenverbandes Niedersachsen ermöglicht werden konnte. Der Kumasi Hilfsfonds e.V. kann in diesem Jahr mit großem Dank an alle mitdenkenden und mithelfenden Menschen und auch ein wenig Stolz auf eine 33 Jahre laufende Unterstützung eines erfolgreichen Projektes der „Hilfe zur Selbsthilfe“ blicken.

 


Die neue geburtshilfliche Abteilung am Tage vor der Eröffnung. Sie ist entsprechend tropenbaulicher Gesichtspunkte äußerlich identisch mit der Kindertagesklinik im Hintergrundgebau nach den Entwürfen des ghanaischen Architekten Dr. Obimpeh aus Hannover.


Stunden vor der Eröffnung warten zahlreiche geladene Gäste und eine Trommlergruppe auf den Beginn der Einweihungsfeierlichkeiten.


Der König der Ashanti Seine königliche Hoheit Otumfo Osei Tutu II ist mit großem Gefolge eingetroffen, begrüßt von Dr. Hotes und Prof. Baffoe-Bonnie.


Der Alterzbischof Peter Sarpong spendet Gottes Segen. Der König und seine Frau Lady Julia sind umringt vom Hofstaat und Sicherheitspolizei.


Das Narkosegerät wird von Prof. Baffoe-Bonnie und Dr. Ellinghaus, der jahrelang mit diesem Gerätetyp als Anästhesist gearbeitet hat, gründlich inspiziert.


Während der Einweihungsfeierlichkeiten in der Geburtshilfe herrscht in der Ambulanz der Kindertagesklinik der tägliche Hochbetrieb.


Prof. Baffoe-Bonnie (v.li.) mit dem geburtshilflichen Team.


Zum Abschluss der Feierlichkeiten pflanzen Prof. Baffoe-Bonnie und Dr. Hotes einen Baum, der sehr groß wird, lange lebt und heilende Kräfte haben soll!